Die große Leere und der Ladyboy – oder auch einfach: meine beiden Katzen (vom 23.07.2010)

Ich könnte jetzt natürlich schreiben, wie ich zu meinen beiden Spinnern gekommen bin und wie niedlich sie am Anfang waren und was für süße Sachen sie so gemacht haben – stimmt ja auch alles, aber irgendwie wäre das doch langweilig, oder? Meine beiden alten Herren sind inzwischen schon 13 Jahre alt, also in gesetztem Alter. Was allerdings ihrer Neugier keinen Abbruch tut, sind halt Katzen.
Faszinierend ist tatsächlich, dass die beiden charakterlich so unterschiedlich sind. Meine beiden Katzen heißen übrigens Bonnie und Clyde. Klingt zwar komisch, ist aber so. Ich weiß, was jetzt so in den Köppen vorgeht: Oh Gott, was sind das denn für Namen, einfallsreicher ging es wohl nicht, usw. Was ich aber auch öfter höre: Oh, Bonnie und Clyde, also ein Weibchen und ein Männchen. Darauf muss ich dann antworten: Nein, zwei Männchen (im weitesten Sinne). Dann muss ich mir meistens die Frage gefallen lassen, wieso ich denn einen Kater Bonnie nenne. Na, ich kann ihn ja wohl schlecht Gurkenglas nennen, oder? Ich erkläre dann immer, dass der Kater ja gar nicht weiß, dass er ein solcher ist und woher sollte er schon wissen, dass Bonnie ein Mädchenname ist? Über was sich manche Menschen so Gedanken machen, ist schon faszinierend. Außerdem ist Bonnie gar kein Kater mehr. Er ist schließlich kastriert. In Thailand wäre er wohl ein sogenannter Ladyboy – oder doch eher Katze süß-sauer mit frischem Gemüse. Aber er besitzt auch andere Eigenschaften eines Ladyboys: er bewegt sich mit sehr grazilen Bewegungen, beim Putzen sieht es immer so aus, als würde er extra noch mal ´ne Schippe Eleganz drauflegen. Er ziert sich beim Essen und beim Trinken und er meckert den ganzen Tag. Wenn er schläft, rollt er sich ganz vornehm zusammen und er schnurrt sehr leise und mondän. Also eindeutig eher zur Frau tendierend. Clyde dagegen ist ein echter Kerl. Rotzt rum, liegt meistens im Weg, bewegt sich weder bei Ansprache, noch wenn man mit Holzschuhen auf seinen Schwanz auf dem Fußboden zusteuert, pupst öfter mal ohne Vorwarnung und guckt fast ständig nur doof in der Gegend rum. Hätte er Daumen, würde er wahrscheinlich rauchen, Bier trinken und mit der Fernbedienung zappen. Wenn der Kater (allerdings auch kastriert) schläft, streckt er sich ungeniert der Länge nach aus, wenn er schnurrt, überschreitet er definitiv die zulässige Dezibelgrenze für geschlossene Räume, beim Fressen ist sowieso alles egal (Geronimo….) und beim Spielen vergisst er auch, wer Freund und Feind ist (bzw. welche Hand ihn füttert). Das faszinierendste an dem Viech ist aber: der ist doof wie ein Stück Toastbrot mit Ohren (übrigens viel zu große Fledermausohren). Wenn man mit der Taschenlampe in Clydes Ohr leuchtet, hängt da ein Schild: Zimmer zu vermieten. Wenn er schnurrt, hört er wahrscheinlich ständig sein eigenes Echo (deswegen ist er auch so laut, er will dieses Geräusch aus dem Kopf bekommen).

Auch bei den Streichelvorlieben sind die Beiden unterschiedlich: Bonnie liebt es, sich den Bauch kraulen und streicheln zu lassen – komme ich mit meiner Hand auch nur in die Nähe seiner Unterseite, schmeißt er sich ohne Wenn und Aber auf den Rücken (dass er sich dabei noch nichts gebrochen hat, ist ein Wunder). Aus diesem Grund darf ich das auch nicht dicht an absturzgefährdeten Stellen machen. Clyde hingegen kann dem Bauchgefummel überhaupt nichts abgewinnen. Er steht auf das gute alte Kinn- und Halskraulen. Wenn ICH es dann vor Schmerzen nicht mehr aushalte, entferne ich seine 20 Krallen aus meinem Knochenmark und dann ist erst mal Pause. Aber er wird es wohl nicht mehr lernen.

Vor ein paar Tagen sah ich ihn, wie er aus dem Fenster in den Garten guckte, vollkommen versunken. Da fiel mir spontan der Satz ein: Die große Leere schaut ins Nichts. Aber natürlich liebe ich die Beiden wie verrückt und ich freue mich jeden Tag an ihnen, hoffentlich sind sie noch lange da.

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